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Armut in Deutschland: Bei Kindern deutlicher Anstieg durch Zuwanderung (WSI)

Die Kinderarmut in Deutschland hat 2016 erneut spürbar zugenommen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 20,3 Prozent. Das entspricht rund 2,7 Millionen Personen unter 18 Jahren. Grund für den Anstieg ist, dass sich die große Zahl der in letzter Zeit nach Deutschland geflüchteten Kinder und Jugendlichen jetzt in der Sozialstatistik niederschlägt.

Dagegen sind die Armutsquoten unter Kindern und Jugendlichen, die keinen Migrationshintergrund haben oder als Kinder von Migranten in Deutschland geboren wurden, leicht rückläufig. Die allgemeine Armutsquote in Deutschland stagniert, während sich der langfristige kontinuierliche Anstieg der Armutsgefährdung unter Senioren auch 2016 fortgesetzt hat.

Das sind zentrale Ergebnisse einer neuen Auswertung aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Neben einer möglichst effektiven Integration von Zugewanderten in Bildung und Arbeitsmarkt sei auch eine Verbesserung der Alterssicherung notwendig, so die Wissenschaftler. Für ihre Analyse haben die WSI-Forscher Dr. Eric Seils und Jutta Höhne die gerade erschienenen Armutsdaten des Mikrozensus 2016 ausgewertet. Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsschwelle 2015 bei einem verfügbaren Nettoeinkommen von weniger als 1978 Euro im Monat.

Hier geborene Kinder von steigender Armut nicht betroffen Das WSI hatte den Anstieg der Kinderarmut im Mai bereits zutreffend prognostiziert. Die Zunahme spiegelt die starke Zuwanderung von Minderjährigen wider, die als Flüchtlinge zumeist unter der Armutsgrenze leben müssen. Dabei geht der rechnerische Zuwachs zum Teil auf datentechnische Probleme zurück: Viele der 2016 als armutsgefährdet ausgewiesenen Kinder dürften bereits 2015 zugewandert sein. Die amtliche Armutsstatistik hat sie jedoch nur mit zeitlicher Verzögerung berücksichtigen können: Die Armutsquote bezieht sich stets nur auf Personen in Privathaushalten. Viele Flüchtlingsfamilien lebten aber Ende 2015 in Sammelunterkünften und wurden daher zunächst ausgeklammert.

Dagegen ist die Armutsquote von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren wurden, zwischen 2015 und 2016 von 28,9 auf 28,2 Prozent gesunken. Bei Personen unter 18 Jahren ohne Migrationshintergrund ist die Quote ebenfalls leicht zurückgegangen – von 13,5 auf 13,3 Prozent. Die gesamte Pressmitteilung finden Sie hier.

Pressmitteilung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes (WSI), 03.08.2017

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