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Länder und Verbände reagieren auf Monitoring Frühkindliche Bildungssysteme

Das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann-Stiftung hat erhebliche Unterschiede in der Kita-Betreuung diagnostiziert. Zahlreiche Bundesländer haben hierauf reagiert und betonen die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre und die vorgesehenen Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Kita-Qualität. Die Bertelsmann Stiftung hat erstmals die Kita-Personalschlüssel der 402 Kreise und kreisfreien Städte ausgewertet. Dabei stellt sie enorme Unterschiede fest. Hierzu äußern sich Länder und in der LIGEN der Freien Wohlfahrtspflege zusammengeschlossenen Verbände.

Baden-Württemberg – Spitzenreiter bei Qualität

Ministerin Eisenmann: Nicht auf guten Ergebnissen ausruhen, sondern frühkindliche Bildung und Betreuung weiter verbessern. Laut Bertelsmann Stiftung ist Baden-Württemberg zum dritten Mal in Folge bundesweiter Spitzenreiter bei der Qualität in Krippen und Kindergärten. Gemessen am durchschnittlichen Personalschlüssel erreichen die Krippen und Kindergärten im Land sowohl für unterdreijährige als auch für überdreijährige Kinder bundesweit die besten Werte. Eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft ist im Schnitt für 3,0 Krippen- oder 7,2 Kindergartenkinder zuständig. Die pädagogische Personalausstattung in Baden-Württemberg sei damit als vorbildlich einzustufen. Zur Qualität in der frühkindlichen Bildung trügen ganz entscheidend die Erzieherinnen und Erzieher bei. „Sie sind es, die täglich die Persönlichkeit und Entwicklung jedes einzelnen Kindes fördern und damit die Grundlage für einen erfolgreichen Bildungsweg legen“, sagt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann. Deshalb unterstütze das Land die Träger bei der Fort- und Weiterbildung jährlich mit rund zehn Millionen Euro. Der enorme Personalzuwachs bei den Fachkräften in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg ließe sich auch an den kontinuierlich steigenden Absolventenzahlen der Erzieherausbildung in Baden-Württemberg ablesen. Zu einer Steigerung der Attraktivität der anspruchsvollen Arbeit habe außerdem die praxisintegrierte Erzieherausbildung beigetragen, die bundesweit Anklang findet und mehr Männer für diesen Beruf begeistert. Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Baden-Württemberg

Berlin – Maßnahmen bereits in Kraft getreten

Senatorin Scheres: Berlin ist weiter – und wird die nächsten Verbesserungen in Angriff nehmen In Berlin sind zum neuen Kitajahr weitere Maßnahmen der Qualitätsverbesserungen in Kraft getreten. In der Ganztagesförderung betreut eine Fachkraft bei den Kindern bis 2 Jahre rechnerisch nur noch 4,25 Kinder (Ganztagsförderung). Bereits im letzten Jahr wurde der Personalschlüssel verbessert. Bis dahin kamen 5 Kinder auf eine Fachkraft. Die von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Zahlen haben den Stichtag 01.03.2016 und seien damit nicht mehr aktuell. Weitere Verbesserungen seien bereits gesetzlich vereinbart. Auch zu den Kitajahren 2018 und 2019 werde es mehr Personal geben. Im August 2019 sei dann ein Betreuungsschlüssel von 3,75 erreicht. Allein für diese Verbesserungen bringe Berlin weit über 100 Millionen Euro auf. Auch die Arbeit der Leitungskräfte werde durch eine spürbare Verbesserung des Personalzuschlages unterstützt, Freistellungen erfolgten früher als bisher. Für die Betreuung der Auszubildelnden stehe der Ausbau der Anleitungsstunden auf der Agenda. In der letzten Legislaturperiode sind in Berlin über 25.000 Plätze geschaffen worden. In dieser Legislaturperiode sollen es rund 30.000 werden. Außerdem werden ab August 2018 die Berliner Kitas vollständig beitragsfrei. Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Berlin

Brandenburg – Kita-Betreuungsquote Spitze

Minister Baaske: Mehr als 57 Prozent aller unter Dreijährigen Kinder besuchen eine Krippe und 95,5 Prozent der älteren Kinder einen Kindergarten. Hier ist Brandenburg Spitze! Brandenburg hat sich in puncto Kita-Personalschlüssel in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert. Die in den vergangenen Jahren vom Land verabschiedeten Verbesserungen wirken: Bei der Betreuung der unter Dreijährigen (Krippe) von 1:7 auf 1:5 und auch bei den Kindergartenkindern verbessert sich der Personalschlüssel kontinuierlich. Zur Betreuungsquote sagt Jugendminister Günter Baaske: „Hier ist Brandenburg Spitze! Mehr als 57 Prozent aller unter Dreijährigen Kinder besuchen eine Krippe und 95,5 Prozent der älteren Kinder einen Kindergarten. Auch die Hortversorgung liegt weit über dem Bundesdurchschnitt: Etwa 80 Prozent aller unter Elfjährigen nutzen ein Hortangebot, bundesweit sind es 16 bis 33 Prozent.“ Die Qualität der Kindertagesbetreuung werde maßgeblich durch qualifiziertes Kita-Personal bestimmt. In Brandenburg haben 90 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher Fachschulniveau (bundesweit 70 Prozent). Auch der Männeranteil liegt mit 7 Prozent etwas über dem Bundesdurchschnitt und es bestehen weniger befristete Arbeitsverhältnisse. Schließlich verbessere Brandenburg zum 01. Oktober 2017 die Ausstattung für Leitungsfreistellung für alle Kitas und unabhängig von der Größe. Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Brandenburg

Hamburg – Zahl der betreuten Kinder auf Rekordniveau

Der Personalschlüssel in Hamburger Kitas verbessert sich weiter, die Betreuungsquote liegt an der Spitze der westdeutschen Länder Mit den Kita-Verbänden hat sich die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration zuletzt im Frühsommer darauf verständigt, einen Fachkraftschlüssel von 1:4 im Krippenbereich in vier gleichen Schritten zu erreichen. Von 2018 bis 2021 können die Träger jedes Jahr rund 500 zusätzliche Fachkräfte für den Krippenbereich einstellen. Insgesamt seien dann zu Beginn des Jahres 2021 gut 2.000 zusätzliche Fachkräfte im Krippenbereich tätig. Die dauerhaften Betriebskosten werden allein durch diese Verbesserung um etwa 100 Millionen Euro pro Jahr steigen. Im Jahr 2016 hat Hamburg rund 764 Mio. Euro für die Kita-Betreuung ausgegeben. Die Betreuungsquoten steigen in Hamburg seit Jahren. Die Betreuungsquoten lagen bei rund 46 Prozent (Krippe) bzw. annähernd 100 Prozent (Elementar) – damit liege Hamburg an der Spitze der westdeutschen Bundesländer. Jede im Rahmen des Gutscheinsystems finanzierte Kita verfüge über finanzierte Leitungsstunden. Die Höhe hänge von verschiedenen Faktoren ab. Kleine Einrichtungen mit mindestens zehn und bis zu 50 betreuten Kindern erhalten einen sogenannten Leitungssockel. Insgesamt weist Hamburg die bundesweit beste Ausstattung mit Leitungsstunden auf. Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Hamburg

Mecklenburg-Vorpommern – Spitzenreiter in Qualifikation von Fachkräften

Staatssekretär Voss: Qualität der frühkindlichen Betreuung ist hervorragend und Weiterbildung wird weiter ausgebaut Staatssekretär Nikolaus Voss weist darauf hin, dass es keine bundeseinheitlichen Standards gibt, die es zuließen, dass die verschiedenen Ländersysteme der Kindestagesförderung direkt miteinander verglichen werden können. Mecklenburg-Vorpommern sei Spitzenreiter in der Qualifikation der Fachkräfte in der Tagesförderung. 92 Prozent der Fachkräfte verfügten über einen Fachschulabschluss. Hervorzuheben seien zudem die herausragenden Betreuungszeiten. So werden jeweils über 70 Prozent der Kinder 45 oder mehr Stunden betreut. Das sei gerade für Kinder aus bildungsfernen Familien ein wichtiger Beitrag für mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Und zeige, dass die Schlussfolgerungen von Bertelsmann, die Qualität direkt am Betreuungsschlüssel festzumachen zu kurz griffen. Voss resümiert: „Qualitätsentwicklung in der Kindertagesförderung ist ein fortlaufender Prozess. Neben vielen neuen Maßnahmen z.B. zur gezielten individuellen Entwicklungsförderung von Kindern im Kindergarten werden wir auch die Eltern weiter entlasten und die Kitabeiträge ab dem 1.1.2018 senken. Darüber hinaus werden wir die Weiterbildung insbesondere in der Tagespflege beginnend mit dem nächsten Jahr deutlich ausbauen.“ Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Nordrhein-Westfalen – Bildungschancen aller Kinder verbessern

Minister Stamp: Strukturelle Unterfinanzierung bei Kindertagesbetreuung als große Herausforderung Der aktuelle Stand in Nordrhein-Westfalen sei nicht zufriedenstellend. Auch wenn in den zurückliegenden Jahren Betreuungsplätze ausgebaut wurden sowie Qualitätsverbesserungen erfolgt seien, zeige die Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass deutlich größerer Handlungsbedarf bestehe. Der enorme Fachkräftebedarf, der erforderliche Ausbau sowie notwendige Verbesserungen bei der Qualität stellten das Land vor gewaltige Herausforderungen. Im Zentrum des Konzepts der Landesregierung stehe die Sicherstellung einer dauerhaft auskömmlichen Finanzierung. Außerdem sollten die Beteuungsqualität verbessert und die Öffnungszeiten flexibilisiert werden. Die Investitionsförderung wurde bereits verbessert. Die Priorität liege bei der Beseitigung der Unterfinanzierung und dem Ausbau der Qualität. Eine vollständige Beitragsfreiheit sei deshalb in Nordrhein-Westfalen bis auf Weiteres nicht finanzierbar. Der Ländermonitor zeige große Unterschiede zwischen den Ländern bei der frühen Bildung auf. Langfristiges Ziel solle es daher sein, Qualität und Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung zwischen den Bundesländern stärker anzugleichen. Dazu bedürfe es einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund und Ländern. Einheitliche Standards könne man jedoch nur schrittweise erreichen. Hierfür müsse sich der Bund über Investitionsprogramme hinaus stärker und dauerhaft an den laufenden Betriebskosten beteiligen und Länder sowie Kommunen verlässlich unterstützen. Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz: Zehn Jahre Beitragsfreiheit

Ministerin Hubig: Allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft eine gute frühe Bildung ermöglichen Am 1. September 2007 wurden die Elternbeiträge für Kinder ab dem 2. Lebensjahr in Kindergärten schrittweise abgeschafft und die Familien in Rheinland-Pfalz dauerhaft finanziell entlastet. „97 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen in Rheinland-Pfalz einen Kindergarten. Damit trägt die Beitragsfreiheit maßgeblich zur Chancengleichheit im Land bei“, sagt Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig. „Die Kindertagesstätte ist eine selbstverständliche Ergänzung zu Bildung und Erziehung in der Familie. Sie stellt die erste Stufe des Bildungssystems dar. Die Abschaffung der Kindergartenbeiträge unterstreicht zum einen den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Einrichtungen am Beginn der institutionellen Bildungsbiografie der Kinder. Zugleich setzt sie Anreize für den Besuch der Einrichtung“, erklärte die Bildungsministerin und ergänzte: „Die Beitragsfreiheit des Kindergartenbesuchs und der Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung verschaffen den Eltern Sicherheit und Entlastung. Damit leisten wir einen großen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Auch qualititiv sei das Land gut aufgestellt und verweist auf den Ländermonitor. Durchschnittlich kümmere sich eine Fachkraft um 3,5 Unter-Dreijährige. Bei den drei- bis sechsjährigen Kindern sind es 8,6 Kinder pro Erzieherin/Erzieher. In der anstehenden Novelle des Kindertagesstättengesetzes werde es darum gehen, die Qualität weiter zu steigern, sowie die Finanzierungssysteme zu definieren und ein systematisches Monitoring zu entwickeln.

Thüringen: Bund muss sich beteiligen

Minister Holter: Thüringer Kita-Plätze sind Ganztagsplätze mit hervorragend qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport bewertet das Ländermonitoring kritisch. Eine Betrachtung, die Kita-Qualität allein am Betreuungsschlüssel festmacht und damit den ostdeutschen Ländern hintere Plätze zuweist, sei zu kurz gegriffen. Vielmehr gilt es, die Gesamtsituation in den Blick zu nehmen. In Thüringen besuchen 93,4 Prozent der Kinder mehr als sieben Stunden täglich eine Kita. Damit sei Thüringen Spitze. Auch bei der Situation der Erzieherinnen und Erzieher sei die Situation in Thüringer Kitas sehr gut. Es arbeiten 80,7 Prozent der Beschäftigten mehr als 32 Stunden pro Woche. Das sorge für Kontinuität in den Beziehungen zwischen Kindern und Erzieherpersonal und bedeute für die Beschäftigen ein Plus an Arbeits- und Einkommensqualität. Bildungsminister Helmut Holter: „Was hilft ein guter Betreuungsschlüssel, wenn das Kind über Mittag abgeholt und von den Eltern selbst betreut werden muss? Der Freistaat hat hier deutlich mehr zu bieten. Thüringer Kita-Plätze sind Ganztagsplätze mit hervorragend qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern. Natürlich wollen wir beim Erreichten nicht stehen bleiben. Neben der Beitragsfreiheit ist eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels der nächste wichtige Schritt. Dazu brauchen wir die Unterstützung des Bundes. Wenn Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer verschiedener Parteien gerade stärkere Investitionen in den Bildungsbereich ankündigen, dann muss das nach der Bundestagswahl auch eingelöst werden. Ein Wegfall des Kooperationsverbotes im Bildungsbereich ist dringend notwendig.“ Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Landes Thüringen

Thüringen: Rückenwind für LIGA-Forderungen

Neue Studie der Bertelsmann-Stiftung stützt Forderungen der LIGA der Freien Wohlfahrtsverbände nach besseren Rahmenbedingungen in den Thüringer Kitas

Erfurt, 28/08/2017 Die Bertelsmann-Stiftung kommt in der Auswertung ihres Ländermonitors 2017 zu dem Ergebnis, dass Thüringen im Fachkraft-Kind-Schlüssel in Kitas unter den 16 Bundesländern zu den Schlusslichtern gehört. Die Studie stützt damit die Forderungen der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen e.V. nach Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Betreuung in hiesigen Einrichtungen. Die LIGA Thüringen begleitet das Gesetzgebungsverfahren zum neuen Kita-Gesetz, dass noch im September im Landtag zur Abstimmung stehen wird, seit mehreren Monaten mit der Kampagne „Qualität hat Vorfahrt – Kitas brauchen gute Rahmenbedingungen!“. Die LIGA sieht insbesondere in folgenden Punkten dringenden Handlungsbedarf: • Personalschlüssel verbessern • Personalkontinuität sichern • mehr Zeit für Leitungsaufgaben • gute Qualitätsentwicklung durch eine individuelle Fachberatung • Inklusion ermöglichen Den Vorstoß des bildungspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag Christoph Matschie, in dem dieser Forderung nach einem "realistischen Stufenplan" erhebt, begrüßt die LIGA Thüringen ausdrücklich. Nur so lassen sich Mehreinstellungen und Verbesserungen des Betreuungsschlüssels realisieren Die LIGA hatte bereits in der vergangenen Woche einen verbindlichen Stufenplan gefordert, der im neuen Kita-Gesetz verankert werden soll. Mehr dazu hier.

Quellen: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg, Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport vom 28.08.2017, Thüringer LIGA der Freien Wohlfahrtspflege vom 28.08.2017 und Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz vom 31.08.2017

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